Frühjahr 2011: mit Freude und Interesse schauen wir nach Nordafrika. Es bewegt sich was, das jahrelang am Ende der Geschichte angekommen zu sein schien. Ein kleiner Funke reichte aus um die sozialen Spannungen zum Explodieren zu bringen und die Rebellion gegen das Bestehende zum Flächenbrand werden zu lassen. Es sind Revolten, die von Selbstorganisierung und Subversivität geprägt sind und in ihren Anfängen und oft auch darüber hinaus ohne führende Gruppen und einheitlicher, institutionalisierter Politik auskommen. ArbeiterInnen, Erwerblose, StudentInnen und SchülerInnen gehen gemeinsam auf die Strasse und fordern nichts weniger als die Freiheit. Die Freiheit selbst über ihr Leben zu bestimmen und meinen damit unvermeintlich auch ein Ende der kapitalistischen Herrschaftsverhältnisse, welche die Ursache für Kriege, Unterdrückung und Ausbeutung sind.

Was hat das mit uns zu tun? Was hierzulande gerne verschwiegen wird ist, dass sich die Rebellionen nicht alleine darauf beschränken die Despoten an der Macht los zu werden, um sie durch andere zu ersetzen. Vielmehr sind die Gründe für die Eskalation in der dauerhaften Krise des globalen Kapitalismus zu suchen: Arbeitslosigkeit, schlecht bezahlte Jobs, fehlende Perspektive für die Jugend und die herrschenden Beziehungen der Macht, welche um jeden Preis verteidigt werden. Diese Probleme kommen uns, auch in der so oft gepriesenen „Demokratie“, allzu bekannt vor. Mögen die Auswirkungen auf unser Leben zwar sehr unterschiedlich sein, so ist es dennoch die selbe Scheisse, die uns gefangen hält. Eine entfremdete Welt, in der die Waren mehr Wert sind als unser Leben. So verwundert es nicht, dass auch die immer lauter werdenden Schreie aus den europäischen Metropolen im Grunde die selbe Sprache sprechen und ein gemeinsames Begehren in sich tragen. Ob die Revolten und Streiks in Frankreich und Griechenland, die SchülerInnendemos in England, die Knastaufstände in Belgien oder manchmal auch hier, direkt vor der Tür, wie kürzlich nach der Räumung eines Hauses; die Wut wird sichtbar und ist in ihrer Art und Weise, wie sie zum Ausdruck kommt, oft deutlicher als es tausend Worte sein könnten.

Wir machen uns keine Illusionen. Dieses marode System wird nicht durch Reformen menschlicher werden, und kein Dialog mit der Politik kann uns einem besseren Leben auch nur einen Schritt näher bringen. Es geht auch nicht darum die Burg der Herrschaft zu stürmen, denn die Macht und die Logik des Kapitals wirken viel tiefer in unser Leben hinein, als dass man sie an einem zentralen Punkt einfach zerstören könnte. Vielmehr geht es darum einen Sturm auf die herrschenden Beziehungen zu entfesseln, um die Unterdrückung und Fremdbestimmung in all ihren Facetten anzugreifen. Kurz gesagt: die soziale Revolte als Antwort auf das Bestehende. Deshalb lasst uns auch hier der Funke sein, der das Feuer entzünden wird, am ersten Mai und alle Tage, um Raum zu schaffen, der uns die Gelegenheit bietet mit dem Leben zu experimentieren. Auf den Grundlagen von Solidarität und wechselseitiger Hilfe, durch Selbstorganisierung im Alltag und mit voller Leidenschaft wollen wir die unbekannten Wege in die Fröste der Freiheit betreten…

…auf dass der Stein ins Rollen kommt!